07/05
Kann denn Putzen sinnlich sein? - Interview mit der Malerin Christine Dumbsky
von Christine Janson

Christine Dumbsky zählt zu den Künstlerinnen, die einen ganz eigenen Ausdruck der erotischen Malerei gefunden haben. Ihre Frauenbilder sind mal traurig, mal sinnlich und dann auch wieder ganz frech und witzig. Und in jeder Situation haben sie, jenseits aller Klischees, etwas Erotisches. Außerdem stellt Christine Dumbsky Skulpturen her und macht Bodypainting - sie malt auf nackten Frauenkörpern und rasanten Autos.
Du malst und bemalst schöne Frauen und schnelle Autos. Wie bist Du dazu gekommen?
Zum malen an sich oder zu den schönen Frauen und Autos ;-)?
In der Malerei hat mich schon seit Anbeginn nur die »Frau« und ihre Sichtweise auf die Welt interessiert. Das Bodypainting war eine zwangsläufige Entwicklung, um mir selbst, dem Modell und dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, sich total mit dem Werk zu identifizieren. Schnelle Autos interessieren mich primär als interessante Projektionsfläche für meine Ideen - als Gefährt insofern nur, dass sie vier Räder haben, mich von A nach B bringen.
Deine »erotischen« Frauenbilder wirken zum Teil komisch, witzig, aber mitunter auch traurig, und sie sind sehr eigenwillig. Welches Anliegen hast Du damit?
Wie schon in Frage eins fast beantwortet: Der erotische Aspekt ist auch manchmal ein Teil meiner Bilder. Sie wirken für den flüchtigen Betrachter zwar oft erotisch, sind es mitunter aber nicht unbedingt, denn das was wichtig ist, sieht nur der, der es sehen möchte, sich die Zeit nimmt und auch sensibel dafür ist.
Es sind wahrscheinlich Frauenbilder für Frauen. Für Männer ist es naturgemäß meist etwas schwerer, einen Zugang zu den wahren Inhalten zu finden.
Was bedeutet für Dich »Erotik«, und wo ziehst Du die Grenze zur Pornographie? Gibt es diese Grenze überhaupt?
Erotik ist reine Kopfsache, Sex kann die Folge von erotischer Anziehung sein. Pornographie hat für mich persönlich eher weniger mit Erotik zu tun.
Ein Pornofilm kann vielleicht anregend sein, eventuell kann dieser auch erotisch wirken. Meist ist das aber nicht so, dafür müssten möglicherweise mehr Frauen die Drehbücher schreiben ;-))
Du beschreibst Dich als eine Künstlerin, die nicht nur erotische Kunst malt, sondern sie auch lebt. Was verstehst Du darunter?
Vielleicht scheint das für manche etwas konträr zu meiner Malerei, aber man muss wissen, dass ich sehr monogam bin, meine erotischen Vorstellungen kann ich daher auch nur mit meinem Partner teilen und ausleben. Vertrauen ist hier für mich essentiell. Wobei, wie schon gesagt, ausleben und sich etwas vorstellen zwei paar Schuhe sind. Dennoch finde ich, dass andere Auffassungen oder Lebensformen absolut legitim und natürlich sind. Durch meine Arbeit drücke ich das auch aus, wenn man genau hinsieht.
Dein spezielles Interesse gilt den Frauen, Du malst sie in ungewöhnlichen Situationen, z.B. eine Frau im Catsuit beim Treppenputzen oder eine nackte Hausfrau beim Bügeln. Was ist dabei der besondere Reiz für Dich?
Das Spiel mit der vermeintlich erotischen Situation, Klischees überzeichnen, Momentaufnahmen festhalten, weibliche Emotionen ausdrücken.
Ich bin der Auffassung, dass die bildliche Darstellung von weiblichen Emotionen nur einer Frau wahrhaftig gelingen kann.
Wieso malst Du nie Männer?
Gute Frage, vielleicht sind sie mir nicht weiblich genug. Ich mag Männer, aber die Frauen sind einfach vielschichtiger und schlicht interessanter als Ausdrucksform für mich. Sie sind die, die das Leben auf die Welt bringen, die Erde. Sie sind die Mütter, die Hausfrauen, Berufstätigen, Freundinnen, Damen und die Geliebten, die welche die Geschicke im Hintergrund lenken.
Gibt es einen besonderen Wunsch, den Du Dir noch erfüllen möchtest oder ein bestimmtes Ziel, das Du Dir in Deinem Leben gesetzt hast?
Ich würde mir gerne bewahren was ich im Herzen trage, das ist manchmal nicht ganz einfach.
Ich möchte Zusammenhänge besser erkennen, möchte lernen und die Möglichkeit und Freiheit dazu jederzeit haben.

Was ist für Dich das Wichtigste im Leben und welchen Ratschlag würdest Du Frauen mit auf den Weg geben?
Die wichtigen Dinge im Leben sind definitiv imaginär und immateriell. Wir Frauen sollten lernen, uns gegenseitig besser zu unterstützen und andere Frauen einfach erstmal als potentielle Freundin wahrnehmen. Wir sollten lernen uns selbst zu lieben, uns nicht irgendwelche Schönheitsideale aufdrücken lassen. Denn wenn wir uns selbst so akzeptieren wie wir sind, mit allen positiven Eigenschaften, auch mit unseren Macken, dann können wir auch andere wirklich gern mögen und akzeptieren. Dies führt dann wiederum zwangsläufig zu einem glücklicheren und zufriedeneren Selbst.
Infos zu Christine Dumbsky auf Ihrer Website:

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